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  • #PRWhaat? – Public Relations: Informationswerkzeug oder nur Manipulation?

    #PRWhaat? – Public Relations: Informationswerkzeug oder nur Manipulation?

    Antworten auf Fragen aus dem Alltag eines PR-Beraters.

    Eine Sache habe ich mit vielen Kolleginnen und Kollegen der Kommunikationsbranche gemeinsam. Die oft gehörte Frage auf Familienfeiern während des Studiums „Und was machst du später damit?“ wurde nach dem Berufseintritt nahtlos abgelöst durch „Und was machst du da genau?“. Damit ist wohl eine der großen Herausforderungen der Kommunikationsarbeit recht genau umrissen: ihre Arbeit und Ergebnisse sichtbar zu machen!

    Media Relations, Agenda-Setting, Digitalstrategie… ach ja richtig, mit dem Bullshit-Bingo wollten wir ja aufhören! Zeit für Klartext und Antworten auf oft gehörte Fragen an einen PR-Berater:

    Was genau ist PR eigentlich?

    Public Relations gestaltet die öffentliche Kommunikation von Unternehmen, Verbänden oder auch politischen Institutionen. Kurz gesagt: als PR-Berater arbeite ich an einem positiven Image meiner Kunden bei ihren Zielgruppen. Übergeordnetes Ziel ist es, Vertrauen aufzubauen. Ein guter Ruf trägt natürlich dazu bei, dass Kunden Vertrauen in ein bestimmtes Produkt oder Unternehmen haben. Auch die Akzeptanz von politischen Entscheidungen steht und fällt mit dem Vertrauen der Bürger. Kurz gesagt: Vertrauen, Sympathie, Reputation schaffen eine positive Grundbasis für weitere Interaktionen. Ist Vertrauen einmal zerstört, ist es ein langwieriger und steiniger Weg, dieses wieder aufzubauen.

    Was machst du da genau?

    Was ich so den ganzen Tag treibe? Im Grunde schreiben und reden, eben kommunizieren. Mit unseren Kunden – Unternehmen, Verbände, öffentliche & politische Institutionen – planen wir Kommunikationsmaßnahmen, um die jeweiligen Themen an die Frau und den Mann zu bringen. Entweder über die Medien per Pressemeldungen, Gastbeiträgen und Interviews oder auf direktem Wege über Veranstaltungen, Websites, Blogs und Social Media. Eine wirksame Strategie setzt ein exaktes Zielgruppenverständnis voraus und ist natürlich abhängig vom Kommunikationsgegenstand. Je nachdem, ob etwa die Luftfahrt Flugstreichungen aufgrund der Corona-Pandemie kommunizieren muss oder ein Autohersteller Position zum Thema Nachhaltigkeit bezieht, sind unterschiedliche Strategien und Ansätze in der Kommunikation nötig. Abhängig vom Thema entsteht ein Mix aus redaktionellen, grafischen und digitalen Elementen, die wir dann gemeinsam mit unseren Spezialisten – Redakteure, Grafiker, Programmierer, Filmproduzenten und einigen mehr – umsetzen.

    Also machst du Werbung?

    Nicht ganz! Werbung hat Absatzsteigerung zum Ziel, wohingegen die PR andere Perspektiven aufmacht, Sichtwechsel herbeiführt, Meinungsaustausch fördert, zum Handeln bewegt und informiert. Beispiel Mund-Nasen-Schutz: Während die Werbung Anzeigen schaltet oder Plakate klebt, um aufs Maskentragen hinzuweisen, überzeugt die PR von der Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme. Pressemeldungen, Experten-Interviews mit den Medien oder auch der Podcast von Christian Drosten sind klassische PR-Instrumente. PR trägt damit zum Nährboden bei, auf dem Werbung funktionieren kann.

    Das hat es ja früher so nicht gegeben?!

    Ganz im Gegenteil! Schon die alten Römer waren wahre Meister professioneller Kommunikation. Das Transportsystem „Cursus Publicus“ über das legendäre Straßennetz ermöglichte es der römischen Administration das riesige Reich per Dekret von Rom aus zu regieren. Die Inszenierungen in den Arenen des römischen Reiches haben den Kaisern zu einem Image verholfen, das bis heute ausstrahlt. Die Herrscher des Mittelalters hatten es da schwerer. Sie konnten mit ihren Untertanen wegen mangelnder Schriftlichkeit nur von Angesicht zu Angesicht kommunizieren und waren daher permanent unterwegs.

    Und warum das Ganze?

    Damit Menschen an unterschiedlichen Orten auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, braucht es professionelle Kommunikation. Das war noch nie anders. Nur die Kommunikationswege verändern sich – vom mittelalterlichen Herold auf dem Marktplatz über den Buchdruck bis hin zu Sozialen Medien. PR hat das Ziel zu beeinflussen und zu informieren. Leider gibt es auch historische und aktuelle Beispiele des Missbrauchs. Aber ohne öffentliche Kommunikation geht es auch nicht. Wie soll es sonst zum Beispiel möglich sein eine Rettungsgasse zu bilden?

    Kannst du das an einem Beispiel erläutern?

    Mit dem Bundesverband der Hörgeräteindustrie (BVHI) machen wir bei Fink & Fuchs gemeinsam mit der WHO und weiteren Partnern auf die Relevanz eines guten Gehörs aufmerksam und rufen dazu auf, eine Hörminderung rechtzeitig versorgen zu lassen. Denn 5,8 Millionen Erwachsene in Deutschland leben mit einem beeinträchtigenden Hörverlust, aber nur jeder Dritte unternimmt etwas dagegen – mit allen gesundheitlichen und sozialen Konsequenzen. Wie wir das umgesetzt haben, erläutern wir in diesem Blogbeitrag.

    Das klingt ganz schön manipulativ…

    Da ist was dran! Ob PR als konstruktives Informationswerkzeug eingesetzt oder als Propagandainstrument missbraucht wird, liegt letztlich in der Verantwortung der Akteure. Bekannte Negativbeispiele zeigen immer wieder die Macht von öffentlicher Kommunikation. Umso wichtiger ist es, dass sie sinnstiftend, verantwortungsbewusst und kontrolliert eingesetzt wird. Daher setzt sich die GPRA als Verband auch für einheitliche Qualitätsstandards und -zertifizierungen ein. Institutionen wie der Deutsche Rat für Public Relations benennen Missstände und Fehlverhalten bei der Kommunikation von Organisationen mit der Öffentlichkeit. Leitlinien sind im deutschen Kommunikationskodex festgehalten. Nicht zuletzt teilt sich die PR diese Verantwortung mit dem Journalismus. Gegenseitig machen wir uns auf Falschdarstellungen und unsachgemäße Übertreibungen aufmerksam. Dabei gehen wir uns zuweilen auf die Nerven – aber sonst wäre es ja auch langweilig.

    Veröffentlicht am 18.11.2020

    Autor:
    Samuel Gönner
    Account Manager
    Fink & Fuchs
    Email: younggpra@gpra.de


    Mehr zu den Qualitätsstandards der GPRA und wie dieser in den Agenturen gewährleistet wird, erfahrt ihr unter anderem in diesem Podcast hier. Ihr wollt mehr zu den Berufen der Kommunikationsbranche erfahren? In unseren Jobprofilen erfahrt ihr mehr.


    • Ist Public Relations der bessere Journalismus?

      Ist Public Relations der bessere Journalismus?

      Autorinnenbeitrag von Alexandra Groß – veröffentlicht am 20.03.2020 im PR Journal

      Informationen, die von Unternehmen kommen, besitzen eine höhere Glaubwürdigkeit als Nachrichten aus traditionellen Medien. Das ist eines der Ergebnisse der jüngsten Sonder-Ausgabe des Edelman Trust Barometers. Auch wenn sich in der aktuellen Untersuchung die Ergebnisse primär auf die Corona–Krise beziehen, erhält dieses Ergebnis Unterstützung von wissenschaftlicher Seite.

      „Leser von Nachrichten im Internet haben PR-Texte im Internet als glaubwürdiger bewertet als Texte von Journalisten zum gleichen Thema“. So äußerte sich Professorin Romy Fröhlich im Rahmen einer Podiumsdiskussion, die die Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) anlässlich ihrer letzten Jahrestagung an der Ludwig-Maximilians-Universität München durchgeführt hat. Hintergrund ist eine Befragungsstudie, die unlängst am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung abgeschlossen wurde. Darin zeigt sich, dass Nutzer im Internet nur noch rudimentär zwischen journalistischen Inhalten und PR-Inhalten mit hohem journalistischen Simulationsgrad unterscheiden. Die PR-Texte – in der Studie wurden reale Inhalte getestet – wurden sogar als glaubwürdiger und interessanter bewertet als die journalistischen Texte zum gleichen Thema. Wow!

      Die Diskussion hat schnell ergeben, dass Unternehmen und Organisationen schon sehr lange hohe Qualitätsmaßstäbe an ihre kommunizierten Inhalte ansetzen. Mitarbeiter und Nachwuchskräfte schauen inzwischen genauer hin, für welche Organisation sie heute arbeiten – und wie die Haltung der Arbeitgeber zu seriöser Kommunikation mit den wichtigen Bezugsgruppen ist. Ein Großteil der PR-Agenturen liefert dazu schon sehr lange ihren Beitrag. Nicht erst seitdem viele Nachbardisziplinen auch gemerkt haben, dass „Content King ist“. Gemeinsam mit ihren Kunden haben PR-Agenturen die Qualität der Information kontinuierlich verbessert.

      Das liegt wohl auch unter anderem daran, dass in vielen PR-Agenturen inzwischen zahlreiche Journalisten arbeiten, die ihr Handwerk – neutrale und verständliche Informationsvermittlung – von der Pieke auf gelernt haben. In PR-Agenturen arbeiten sie allerdings weniger für die schnelle Schlagzeile, vielmehr stehen substanzielle Geschichten im Vordergrund. Natürlich machen auch Unternehmen und Organisationen Jagd auf Klicks, aber dabei geht es selten um die schiere Masse, sondern um Qualität und am Ende um den nächsten Kunden.

      Ich spüre täglich, wie in dieser angespannten Situation, in der sich der Fokus der Inhalte massiv verschiebt, der Informationsfluss in LinkedIn abnimmt. Gut so. Mit Resonanz braucht man in Zeiten, in denen sich die Relevanzmaßstäbe von Inhalten verschieben, eh nicht zu rechnen. Der Aufruf von Professor Thomas Pleil von der Darmstadt University of Applied Sciences über Twitter, die Werbeaktivitäten doch mal zu überdenken, kommt da gerade recht.

      Gleichzeitig kann man sich nur über die Schlagzeilen einiger Medien wundern, die die Öffentlichkeit mit Corona-Live-Tickern und immer wieder neuen und vermeintlich atemraubenden Schlagzeilen überziehen. Wie eine Droge sollen Leser im Web dazu verführt werden, jede einzelne Schlagzeile zu konsumieren. Dies, obwohl große, nationale wie internationale Medien festgestellt haben, dass eine Reduktion der Nachrichten im Web am Ende für mehr Leser sorgt.

      Wen wundert es da noch, dass bei solchem journalistischem Brachialvorgehen die Glaubwürdigkeit auf der Strecke bleibt und man sich an PR-Texten orientiert. Dass PR die bessere Werbung ist, daran zweifelt inzwischen ja niemand mehr, aber dass PR zum besseren Journalismus mutiert, wäre eine bedenkliche Entwicklung. Dazu ist die Aufgabe der unabhängigen Medien als Korrektiv in einer demokratischen Gesellschaft viel zu wichtig. Was PR und Journalismus aber gemeinsam haben, ist die gestiegene Verantwortung bei der Informationsverbreitung. Mir wäre es am liebsten, wenn wir künftig gemeinsam den Qualitätsanspruch an gute Information noch weiter nach oben drehen.

      Über die Autorin: Alexandras Groß ist seit 2019 Vorstandsvorsitzende der Fink & Fuchs AG. In ihrer Rolle ist sie verantwortlich für die übergeordnete Gesamtleitung und die strategische Weiterentwicklung der Kommunikationsagentur. Seit Mai 2017 ist sie zudem stellvertretende Präsidentin der GPRA – Gesellschaft der führenden PR- und Kommunikationsagenturen in Deutschland.