Berlin, 30.03.2020 – Die Gesellschaft der führenden PR- und Kommunikationsagenturen in Deutschland, GPRA, hat ihre Mitgliederversammlung aufgrund der gegenwärtigen SARS-CoV-2 Beschränkungen in diesem Jahr virtuell abgehalten. Auf der Tagesordnung standen neben dem Arbeitsprogramm für 2020 vor allem der Austausch zu den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sowie die Entscheidung zur Einführung erweiterter Qualitätsstandards für PR- und Kommunikationsagenturen.
Mit der Corona-Krise stehen Agenturen auch vor wirtschaftlich herausfordernden Zeiten. Um frühzeitig auf Umsatzeffekte vorbereitet zu sein, hat der Verband gemeinsame Maßnahmen beschlossen, um die Mitgliedsagenturen zu unterstützen. Hierzu wird es künftig eine Plattform zum Erfahrungs- und Wissensaustausch zwischen Mitgliedern geben. Im Rahmen von Experten-Webinaren gibt es zudem direkte Unterstützung bei Anträgen und Finanzierungsfragen. „Die GPRA zeichnet seit jeher der vertrauensvolle, persönliche Austausch der Mitglieder untereinander aus. Dies ist besonders in Krisenzeiten von besonderer Bedeutung. Es ist wichtig, dass die führenden PR- und Kommunikationsagenturen ihre Stärken und Know-how bündeln, um gemeinsam durch diese schwierige Zeit zu kommen“, sagt Christiane Schulz, Präsidentin der GPRA.
GPRA führt Gütesiegel CMS III ein
Trotz der aktuellen Herausforderungen hat die GPRA die Einführung eines erweiterten Qualitätsstandards für PR- und Kommunikationsagenturen beschlossen. Der international anerkannte Consultancy Management Standard (III) wird die bereits bestehenden Qualitätskriterien ergänzen und ist künftig für alle Mitglieder verbindlich. Die GPRA wird in Deutschland die einzige vom internationalen Kommunikationsverband (ICCO) offiziell anerkannte Ausgabestelle für das Gütesiegel sein.
„Alle GPRA-Mitglieder verbindet ein hoher Qualitätsanspruch. Mit der beschlossenen Erweiterung unserer Richtlinien wollen wir ein klares Zeichen für mehr verbindliche Standards in der Branche setzen“, betont Alexandra Groß, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der GPRA.
Young Professional Initiative stellt Arbeitsprogramm vor
Die im Februar gegründete Young Professional Initiative der GPRA wurde von den Sonderbeauftragten in der Mitgliederversammlung vertreten und hat ihr Arbeitsprogramm 2020 vorgestellt. Der hohe Organisationsgrad der Nachwuchsgruppe zeigt, wie ernsthaft aus der Perspektive des Nachwuchses an den Verbandsthemen bereits gearbeitet wird.
Über die GPRA e.V. Die GPRA e.V. ist seit 1974 der Verband der führenden Kommunikations- und PR-Agenturen Deutschlands und hat ihren Sitz in Berlin. Mit strengen Aufnahmekriterien und hohen Anforderungen an ihre Mitglieder setzt sie Standards in der PR-Branche und fördert den Austausch zwischen den Mitgliedern und Meinungsbildnern. Die GPRA repräsentiert 34 Agenturen mit circa 2.800 Mitarbeitern und einem Marktanteil von fast 50 Prozent.
Von Nils Bohr, dem Nobelpreisträger für Physik, ist das Bonmot überliefert, wonach es schwierig sei, Voraussagen zu treffen – besonders über die Zukunft. Da Kommunikatoren aber Schwierigkeiten meist als Inspiration verstehen, hier die Top fünf über Geschäftsmodell und Positionierung von Agenturen aus meiner persönlichen Kommunikations-Glaskugel.
Die Bedeutung von Kommunikation wird weiter zunehmen
In einer vernetzen Welt, in der sich Marken in einem transparenten Dialog behaupten müssen, wird wirtschaftlicher Erfolg noch entscheidender vom Vertrauen und damit von der Reputation getrieben werden. Reputation im Spannungsfeld von Erwartungen (was sagt eine Marke über sich selbst?) und Erfahrungen (was sagen andere über eine Marke?) kommunikativ zu managen, wird Kernangebot unserer Industrie bleiben. Die Antwort auf die Frage nach dem Warum unternehmerischen Handelns wird als license to operate Kommunikation weiter ins Zentrum wirtschaftlichen Erfolgs rücken.
Trotz wachsendem Markts wird die Intensität des Wettbewerbs steigen
Zunehmendes Projektgeschäft, kurzfristigere Zyklen, agile Abläufe sowie eine weitere Integration von Kommunikation, Marketing und Sales werden höhere Anforderungen an unsere Profession stellen. Dies wird neben den Bereichen Strategie und Konzeption gerade die Steuerung von Projekten betreffen. Dazu bedarf es einer weiteren Professionalisierung des Managements von Agenturen.
Verbindliche und transparent nachvollziehbare sowie unabhängig auditierte Qualitätsstandards werden daher ein selbstverständlicher Bestandteil der Agenturwelt beziehungsweise die Eintrittsbarriere werden, die immer wieder neu zu überwinden sein wird (vgl. hierzu auch den Artikel „Ein neues Qualitätssiegel“ von Michael Kemme im prmagazin 02/2020).
Nischenanbieter und moderne Allrounder werden sich durchsetzen
In diesem höchst wettbewerbsintensiven und komplexen Umfeld werden sich meines Erachtens zwei Agenturtypen als Gewinner etablieren: zunächst kleine, wendige und hochspezialisierte Nischenanbieter oder Boutique-Agenturen. Daneben diejenigen, die alle Bereiche des magischen Vierecks bestehend aus Content, Kreativität, Plattformen und Daten bespielen können.
Letztere müssen über Größe und Volumen verfügen, um zyklische, konjunkturelle oder branchenspezifische Schwankungen ausgleichen und Ressourcen schnell transferieren zu können. Ferner sind Investments in Weiterbildung, neue Technologien, Spezialisten oder in punktuelle Akquisitionen erforderlich. Dazu bedarf es finanzieller Spielräume und agiler Strukturen für schnelle Entscheidungen und kurzfristige Anpassungen an die Realitäten des Marktes. Starre, zentralistisch organisierte Netzwerke und patri-/matriarchalisch auf Inhaber fokussierte Organisationen sehen somit gleichermaßen schweren Zeiten entgegen.
Geld wird auch in Zukunft mit dem Verkauf von Beraterstunden verdient
Je direkter die Serviceleistung nachweislich auf die Reputation des Unternehmens einzahlt, desto höher die zu erzielende Rendite. Zusätzlich werden Agenturen auch Umsätze mit dem Verkauf von Technologie- und Datenlösungen erzielen. Daten werden helfen, Streuverluste zu vermeiden, und durch zeitlich und inhaltlich passgenaue Botschaften unmittelbar wertstiftende Dialoge initiieren. Wenn wir Personen als (digitale) Individuen in ihrem Kommunikationsverhalten noch besser verstehen, werden wir sie nicht nur entlang ihrer Customer Journey begleiten, sondern kommunikativ eine neue Form von Customer Experience kreieren können. Dieser datengetriebene, sogenannte Commtech-Ansatz sollte ein weites Feld zusätzlicher Revenue-Ströme jenseits unseres traditionellen Serviceportfolios eröffnen.
Agenturen brauchen künftig ein verändertes Selbstverständnis
Damit wird in mehrfacher Hinsicht ein neues Rollenverständnis unserer Profession einhergehen. Ich glaube, dass die erfolgreichsten Agenturen der Zukunft wirkliche Beratungshäuser sein werden.
Das bedeutet eine vollwertige C-Suite-Fähigkeit, die bereits heute schon viele Agenturen für sich reklamieren, tatsächlich aber nur die wenigsten jenseits des CCO wirklich besitzen. Werthaltige Beiträge wird nur die Agentur leisten, die als vollwertiger Sparringspartner gestalterisch – kritisch tätig wird – und nicht erst in der Umsetzungsphase ins Boot geholt wird.
Dazu brauchen wir in Agenturen eine neue Mischung aus Spezialisten und generalistischen Beraterpersönlichkeiten, die die gesamte Bandbreite von Auftragsbewertung bis Projektmanagement abdecken. Der Projekterfolg wird zukünftig noch mehr von der Fähigkeit der ganzheitlichen Betrachtung und Bewertung abhängen. Agil gemanagte Projekte tragen das permanente Hinterfragen und Fortentwickeln des Projektauftrags als immanenten Erfolgsbaustein in sich.
In einem digital getriebenen Kommunikationsuniversum werden Agenturen künftig ein verändertes Selbstverständnis brauchen. Nur dann werden sie in purpose-getriebenen „How dare you“-Zeiten wesentliche Beiträge zum wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen und Marken leisten können.
Dazu werden sich Organisationsstruktur, Management, das Service- und Produktportfolio sowie das Geschäftsmodell wie oben skizziert tiefgreifend verändern und zu einer Selektion und Neuordnung der Agenturlandschaft führen.
Markenkommunikation in Zeiten des Coronavirus ist unberechenbar – es lassen sich jedoch Lehren aus Gesundheitskrisen der Vergangenheit und aus den Erfahrungen in den aktuell betroffenen Märkten ziehen.
Autorenartikel vonWolfgang Lünenbürger-Reidenbach, CEO and Market Leader Germany bei BCW Burson Cohn & Wolfe
Nahezu stündlich erreichen uns heutzutage Meldungen aus aller Welt rund um den Ausbruch des Coronavirus – sei es aus dem medizinischen Bereich, aus Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft. Viele Nachrichten sind erschreckend, viele machen Mut – Berichte beispielsweise über Nachbarschaftshilfe, über pragmatische Lösungen abseits der üblichen Bürokratie oder über erste Erfolgsmeldungen aus China, wo der Verlauf der Krankheit seinen Anfang nahm.
Vieles rund um das neue Virus Covid 19 ist noch im Unklaren: Wann der erste Impfstoff zur Verfügung steht. Wie erfolgreich die Pandemie verlangsamt werden kann. Und welche wirtschaftlichen Folgen sich aus der Krise ergeben. Diese Ungewissheit, gepaart mit der realen und potenziellen Belastung der Gesundheitssysteme weltweit, stellt alle Gesellschaften auf eine harte Probe.
Auch Unternehmen und Marken stehen vor immensen Herausforderungen, sowohl was die Sicherung ihres Geschäfts als auch was die Kommunikation in der Krise betrifft. Beides ist derzeit ein „Moving Target“ und lässt sich nicht mit letzter Sicherheit planen.
Eines können wir aber schon heute festhalten:
Wie bei SARS oder jeder anderen globalen Gesundheitskrise wird die Verbreitung des Coronavirus in drei Phasen verlaufen: 1. Akuter Ausbruch, 2. Erholung, 3. Rückkehr zur Normalität oder genauer – zu einer neuen Normalität.
Wie lange diese Phasen dauern bzw. wann ein gewisser Normalitätsgrad erreicht ist, lässt sich nicht vorhersagen. Fakt ist, dass sich Deutschland und die meisten Länder der Erde in Phase 1 befinden –der Phase des akuten Ausbruchs.
Phase 1: Unsicherheit dominiert – klare, ruhige und regelmäßige Kommunikation ist gefragt
Typisch hier: Es geht nicht einfach um die Anzahl der bestätigten Krankheitsfälle, sondern um die damit einhergehenden Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Medien und um das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher. Eine in allen gesellschaftlichen Bereichen herrschende Unsicherheit ist das überwiegende Merkmal in diesem Zeitraum.
In einer Zeit, in der niemand eine klare Vorstellung davon hat, wie sich die Ereignisse entwickeln, und dennoch so viele eine (oft schlecht informierte) Meinung haben, wird die Notwendigkeit einer klaren, ruhigen und regelmäßigen Kommunikation von größter Bedeutung. Dabei lässt sich festhalten:
In Krisenzeiten tendieren Menschen zu Bewährtem und Vertrautem, und erwarten Transparenz und klare Worte.
Was wir aus der aktuellen Krise wissen ist:
Nicht alle Wirtschaftskategorien sind gleich stark betroffen.
Das Verhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher ändert sich schnell und signifikant; in China haben beispielsweise 84% der Verbraucherinnen und Verbraucher mindestens eine neue Dienstleistung zum ersten Mal ausprobiert.
Das Sicherheitsdenken nimmt massiv zu – bis weit über Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus hinaus.
Marken zeigen immer häufiger, wo und wie sie helfen.
Der Fokus von Marken liegt auf Produktsicherheit und Experience.
Der Medienkonsum verändert sich.
Einige Media Investments werden verschoben oder umgeleitet.
Spannende Fragen, die sich daraus ergeben, sind:
Verbraucherinnen und Verbraucher greifen zu Online-Angeboten, viele zum ersten Mal. Wie werden die Erfahrungen aus Quarantäne oder das zurückgezogene Smart Working in der Wohnung Katalysatoren für eine weitreichende Verhaltensänderung werden? Insbesondere mit Blick auf neue Technologien.
Achtsamkeit, Rücksicht und auch gegenteilige Erfahrungen haben gerade große Aufmerksamkeit. Der Blick richtet sich auf das Wesentliche: Die Gesundheit, die Gemeinschaft, Solidarität. Was bleibt, was wird auch nach der Krise prägend sein?
Viele Unternehmen und Marken können sich den Umständen nicht entziehen, beispielsweise im Lebensmitteleinzelhandel. Sie kommunizieren, setzen Zeichen, nehmen uns mit in ihren herausfordernden Alltag in dieser Zeit. Andere Unternehmen ziehen sich erschrocken zurück, finden keinen Weg, sich zu äußern. Wer wird nach der akuten Ausbruchphase leichter den Anschluss finden?
Schweigen ist Gold?
Sicher, die Zeit ist nicht angetan, sich mit Promotion oder konstruierten Geschichten ins Gespräch zu bringen. Es braucht Empathie und die Flexibilität, Kommunikation auf die Situation anzupassen. Wer das kann, hat die Chance, gemeinsam mit der Zielgruppe durch diese Zeit zu gehen und einen besonderen Bund zu schaffen.
Mit unseren Kundinnen und Kunden bewerten wir aktuell die Möglichkeiten, wie sie ihre Zielgruppen bzw. Stakeholder aktiv und sinnvoll unterstützen können – und analysieren gemeinsam diese vier Handlungsoptionen:
Business geht nicht wie normal weiter, welche Schritte ergreifen Unternehmen zum Schutz von Kundinnen und Kunden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Geschäftskontinuität?
Für Marken, die aus ihrer Positionierung und ihrem Markenkern heraus die „Erlaubnis“ haben: Eine Verstärkung der Botschaften zur Gesundheitsvorsorge – auf Basis von Empfehlungen nationaler oder lokaler Regierungen und öffentlicher Institutionen wie RKI oder WHO.
Helfen, durchzustehen – bei den alltäglichen menschlichen Bedürfnissen derer, die unter der Corona-Krise leiden. Mit Empathie ist hier wertvolle Kommunikation möglich – vor allem für Marken, die mit Botschaften rund um Gesundheit nicht punkten könnten.
Unterstützung der am stärksten vom Coronavirus Betroffenen – idealerweise als Teil einer langfristigen Strategie mit Blick auf diese Gemeinschaften.
Fazit: In der akuten Ausbruchsphase sollten sich Marken und Unternehmen nicht zurückziehen, sondern überlegen, wie sie ihre Stakeholder aktiv und sinnvoll unterstützen können. Sie haben die Aufgabe, Kommunikation zu nutzen, um einer Haltung von „achtsamer Ruhe“ zum Durchbruch zu verhelfen. Und dazu beizutragen, dass die Welt ein etwas besserer Ort wird.
In diesem Sinne: #zuhausebleiben – aber nicht den Kopf in den Sand stecken.
Weiterführende Informationen zum Thema gibt es auch hier: BCW Germany
Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach ist CEO der Agentur BCW (Burson Cohn & Wolfe), die in Deutschland fünf Büros hat. Seine Herkunft sind die digitale Kommunikation und Social Media, heute beschäftigt er sich vor allem mit strategischer Markenführung und kommunikativer Resilienz.
Fokus in aktueller Lage durch Corona-Virus auf Sondersituationen
Erweiterung der Expertise und Ressourcen bei Kapitalmarkt-Kommunikation, Merger & Acquisitions, Restrukturierungen
Frankfurt am Main und London/Zürich (Wollerau), 26. März 2020 – Edelman Deutschland kooperiert künftig mit Deep Value Advisors, einer spezialisierten strategischen Kommunikationsberatung. Durch die Zusammenarbeit erweitert und vertieft Edelman Deutschland seine Expertise und Ressourcen in den Feldern Kapitalmarkt-Kommunikation, Mergers & Acquisitions, Restrukturierungen sowie Sondersituationen. Innerhalb der strategischen Allianz unterstützen die Partner von Deep Value Advisors Edelman Deutschland als Senior Advisor.
Der Bedarf an Beratung sowie Unterstützung steigt in der sich schnell verändernden Situation rapide an. „Viele Firmen sehen sich durch die Corona-Krise gerade mit komplett neuen und komplexen Herausforderungen konfrontiert, beispielsweise bei der Sicherung des Unternehmensfortbestands, also der Vermeidung einer Insolvenz, oder auch bei anstehenden Refinanzierungen“, so Christiane Schulz, CEO von Edelman Deutschland. „Durch die Kooperation wollen wir unsere Bestandskunden im Bereich Finanz- und Kapitalmarkt auch in besonderen Situationen und bei speziellen Herausforderungen beratend unterstützen und das Geschäftsfeld gemeinsam weiter ausbauen.“
„Über Edelman gewinnen wir Zugang zu Breite und Tiefe der größten inhabergeführten PR-Agentur der Welt, einschließlich enormer Schlagkraft in Digital/Social Media und wahren zugleich alle Vorteile einer partnerschaftlich organsierten Beratungsboutique“, so Alexander Engelhardt, Partner von Deep Value Advisors.
Über Edelman Deutschland Edelman ist eine globale Kommunikationsagentur, die Unternehmen und Organisationen dabei unterstützt, ihre Marken und deren Reputation zu entwickeln, zu fördern und zu schützen. In Deutschland liefern rund 300 Experten mit Büros in Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt am Main Kommunikationsstrategien, die es unseren Kunden ermöglichen, zu führen, mit Überzeugung zu handeln und das nachhaltige Vertrauen ihrer Zielgruppen und Stakeholder zu gewinnen. Weitere Informationen unter www.edelman.de
Über Deep Value Deep Value Advisors ist eine partnerschaftlich organisierte strategische Kommunikationsberatung. Deep Value hilft, bei Transformationen und Sonderlagen Werte zu sichern, freizusetzen und zu schaffen. Der Beratungsansatz ist empirisch wissenschaftlich und umfasst Research, Analyse, Beratung und Umsetzung durch multidisziplinäre Expertenteams aus Kommunikation, Marketing und Medien, Finanzen und Industrie, Politik und Recht. Typische Beratungsfelder sind Kapitalmarkt- und M&A-Kommunikation, Krisenmanagement und Change. Deep Value wurde 2008 als Professional Services Firm gegründet und ist heute in London, Frankfurt am Main und Wollerau (Kanton Schwyz, Schweiz) vertreten.
Pressekontakt Anna-Lena Schildt, Senior PR- und Marketingmanagerin Deutschland Tel.: +49 (0)172 688 31-41, E-Mail: annalena.schildt@edelman.com Der Datenschutz ist uns wichtig, wenn Sie mehr darüber erfahren wollen klicken Sie hier: https://www.edelman.de/data-protection-statement Wenn Sie in Zukunft keine Presseinformationen mehr von Edelman erhalten wollen, geben Sie uns kurz formlos Bescheid.
Frankfurt, 24. März 2020 – Soziale Medien sind zu Zeiten von COVID-19 nach wie vor ein wichtiges Instrument des Kommunikations- und Marketing-Mixes. Um auch in der Krisensituation eine effektive Kommunikation zu gewährleisten, müssen Unternehmen die aktuellen gesellschaftlichen Umstände und Stimmungen fortlaufend bewerten und in der Planung entsprechend berücksichtigen. Idealerweise sollte die Social-Media-Planung und das Community Management täglich nach den folgenden drei Gesichtspunkten die aktuelle Situation analysieren und bewerten: Planung, Überprüfung und Reaktion.
Dabei gilt es zu beachten, dass diese drei Punkte keine statisch aufeinanderfolgenden Vorgänge, sondern oftmals voneinander abhängig sind. Unternehmen sollten alle Überlegungen innerhalb dieser drei Säulen prüfen, um festzustellen, welche Fragen und Bereiche am relevantesten sind und am unmittelbarsten berücksichtigt werden müssen.
Planung Schaffung von Plänen zum Umgang und Management von Social Media während der COVID-19-Pandemie.
Bestimmen Sie die Rolle der sozialen Kanäle– diese kann sich je nach den Bedürfnissen Ihres Unternehmens und der derzeitigen Nutzung möglicherweise verändern.
Bewerten Sie, wie Ihr Publikum derzeit mit Ihren Social-Media-Kanälen in Bezug auf COVID-19 umgeht und interagiert.
Sind aktuelle Kampagnen notwendig oder relevant? Sollten soziale Kanäle für Mitarbeiter- und/oder Community Relations genutzt werden?
Verändert sich Ihre Kernzielgruppe während der Krise? Jeder (Medien, Kunden, Mitarbeiter, Bewerber, Aktionäre, Analysten) beobachtet, wie sich jede einzelne Organisation äußert und positioniert.
Pflegen Sie den täglichen Kontakt mit Ihren Social-Media-Teams, damit sie über Ankündigungen, politische und geschäftliche Änderungen informiert sind, die sich auf Kampagnen und Postings auswirken könnten. Halten Sie tägliche Standup-Meetings (bei Bedarf auch öfter) mit den Community Managern, um sich zu Meldungen und Neuigkeiten abzustimmen.
Definieren oder passen Sie die Häufigkeit an, mit der Community Manager und Social-Media-Analysten Ihre sozialen Kanäle überwachen und alle ungewöhnlichen Interaktionen und Aktivitäten aus der Community kennzeichnen.
Definieren Sie Richtlinien für eine zeitnahe Reaktion – in dieser Situation ist es wichtig, schnell zu reagieren. Ebenso wichtig ist aber, die richtige Antwort zu geben und so Risiken vorab zu vermeiden. Community Manager sollten besonders vorsichtig sein, bevor sie etwas veröffentlichen oder auf eine Anfrage reagieren.
Überprüfung Prüfung aller Kampagnen (aktuelle und anstehende Inhalte) und der Herangehensweise des Community Managements hinsichtlich der aktuellen Herausforderungen am Markt und der Gesellschaft.
Sind aktuelle Social-Media-Kampagnen zu opportunistisch, insbesondere in Bereichen, die von COVID-19 betroffen sind oder damit in Verbindung stehen (etwa Seife, Reisen, etc.)?
Wie würde ein eher zynischer Kritiker reagieren, wenn Sie diesen Content in der aktuellen Gesundheitssituation veröffentlichen?
Bedenken Sie die Implikationen Ihres gesamten Social-Media-Contents, besonders die Postings, die Menschen zu Reisen oder der Teilnahme an Veranstaltungen aufrufen.
Überprüfen Sie zielgerichtete Kampagnen und lokale Anzeigenkäufe – laufen diese Kampagnen in Märkten, die besonders von COVID-19 betroffen sind? Kampagnen wie diese könnten aufgrund der allgemein veränderten öffentlichen Aufmerksamkeit weniger wirksam sein als vorgesehen oder je nach Art der Inhalte als unsensibel angesehen werden.
Wenn Sie sehen, dass die Lage in bestimmten Regionen besonders angespannt in Bezug auf COVID-19 ist, sollten Sie es ggf. sogar in Betracht ziehen, diese Regionen von den geplanten Maßnahmen auszuschließen. Alternativ kann Hypertargeting helfen, um auf spezifische Marktbedürfnisse einzugehen.
Stellen Sie sicher, dass Ihr Content nicht den Empfehlungen der Behörden vor Ort hinsichtlich des Umgangs mit COVID-19 widerspricht.
Gibt es Influencer-Programme oder anstehende Maßnahmen, die besonders beleuchtet werden müssen? Prüfen Sie, ob Influencer-Kampagnen fortgesetzt werden sollen und stellen Sie bei bereits laufenden Kampagnen sicher, dass den Influencern Q&As zur Verfügung gestellt werden, damit sie auf Fragen aus ihrer Community zum Umgang Ihres Unternehmens mit COVID-19 antworten können.
Reaktion Entwicklung von Social-Media-Leitlinien sowie Prozessen und Antworten, um eine zeitnahe, korrekte und effiziente Nutzung dieses Mediums in der aktuellen Situation zu ermöglichen.
Untersuchen und aktualisieren Sie Ihre Social-Listening-Taxonomien, um eine Diskussion über Ihre Marke, Ihren Sektor oder Ihre Kategorie und COVID-19 einzubeziehen.
Erstellen Sie COVID-19-Richtlinien und Entscheidungsabläufe für das Community Management, damit allen Beteiligten klar ist, wie auf Kommentare in sozialen Medien zu reagieren ist. Dies sollte auch bereits bestehende Pandemie-Erklärungen oder -Richtlinien Ihres Unternehmens umfassen.
Zusätzliche Überlegungen, die in die Richtlinien einfließen sollten:
Geschäftsabläufe, die direkt beeinflusst werden (z.B. Produktknappheit, Anlagenstilllegungen).
Ein Mitarbeiter ist an dem Virus erkrankt, könnte das Virus haben oder es wird bestätigt, dass er das Virus hat.
Eine Gemeinde, in dem sich ein Standort oder Geschäft Ihres Unternehmens befindet, ist von einem Einzelfall oder einem größeren Ausbruch betroffen.
Stellen Sie sicher, dass die Teams die Eskalationsrichtlinienkennen und den damit verbundenen geplanten Informationsfluss verstehen.
Entwickeln Sie gegebenenfalls spezifische COVID-19-Botschaften – z.B. welche Maßnahmen ein Unternehmen oder eine Marke umsetzt, um in ihren jeweiligen Märkten, Unternehmen oder Einrichtungen (Einzelhändler, Hersteller usw.) vor COVID-19 zu schützen.
Soziale Medien können in Krisenzeiten auch als Kanal in die Mitarbeiterkommunikation eingebunden werden, um die Mitarbeiter zu erreichen und zu informieren. Sie können zudem für Leadership-Kommunikation genutzt werden und Mitarbeitern die Möglichkeit geben, die Botschaften des Unternehmens zu teilen und zu vertreten. Ein aktuelles Beispiel sind die Trainer und Vorstände vieler Sportvereine, die Erklärungen auf sozialen Kanälen veröffentlicht haben – in dem Wissen, dass ihre Mitarbeiter diese sehen, darauf reagieren und sie wiederum teilen.
Überwachen, ändern oder stornieren Sie Social-Media-Anzeigenbuchungen und zielgerichtete Werbung, wenn sie in Konflikt mit der aktuellen Marktsituation und Ihrem Geschäft stehen. Lassen Sie sich von Partnern schriftlich bestätigen, wenn Buchungen ausgesetzt oder storniert werden müssen.
Entwicklung von Plänen zur Aufrechterhaltung des Social-Media-Teams, um sicherzustellen, dass geeignete Dokumentationen und Maßnahmen in die Wege geleitet werden. So sollen die Auswirkungen auf das Team minimiert werden, falls sich ein Teammitglied mit COVID-19 angesteckt hat.
Beispiel: Stellen Sie sicher, dass Passwörter und der Zugang zu Kanälen nicht auf eine einzelne Person beschränkt sind und dass bei Bedarf ein Fernzugriff möglich ist.
In einigen Branchen und Bereichen kann sich die Zahl der Diskussionen in sozialen Medien stark erhöhen – die Community-Management-Teams müssen möglicherweise in Betracht ziehen, das Personal aufzustocken oder einen Schichtbetrieb einzuführen.
Bleiben Sie über Neuigkeiten und Entwicklungen zu COVID-19 auf dem Laufenden.
Pressekontakt Anna-Lena Schildt, Senior PR- und Marketingmanagerin Deutschland Tel.: +49 (0)172 688 31-41, E-Mail: annalena.schildt@edelman.com Der Datenschutz ist uns wichtig, wenn Sie mehr darüber erfahren wollen klicken Sie hier: https://www.edelman.de/data-protection-statement Wenn Sie in Zukunft keine Presseinformationen mehr von Edelman erhalten wollen, geben Sie uns kurz formlos Bescheid.
Warum Kommunikation beim Corona-Virus mehr wirkt als beim Klimawandel
Autorenbeitrag von Daniel Silberhorn, CSR-Lead bei FleishmanHillard
So wie bei COVID-19 würden sich das viele auch beim Thema Klimawandel wünschen: Die Politik hört auf die Wissenschaft und reagiert mit klaren Vorgaben. Wenn auch weltweit in unterschiedlicher Geschwindigkeit und Konsequenz. Und zumindest eine große Zahl von Menschen hält sich daran. Obwohl die Maßnahmen drastisch in individuelle Freiheiten eingreifen und die persönlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen schon jetzt deutlich sind. Vor den Auswirkungen des Klimawandels wird dagegen seit Jahrzehnten gewarnt. Und genauso lange wogt der Kampf um Interpretationen, Deutungshoheit und einzuleitende Maßnahmen zwischen Ländern und innerhalb von Nationen. Und erst langsam, wenn auch in jüngerer Zeit deutlich, kommt der Wandel bei Unternehmen und Menschen an.
Warum funktioniert das eine, und das andere nur (zähne-)knirschend? Warum hört die Politik beim Virus durch die Bank auf die Stimme der Wissenschaft, beim Klimawandel finden die Forscher erst nach Jahrzehnten Gehör? Warum spielen die Menschen bei der Mission „Zeit gewinnen“ im Umgang mit COVID-19 mit, während die gleichen Menschen sich schwertun, ihre Werte und guten Absichten bezüglich Klimaschutz umzusetzen? Oder müssen sich gar an prominenten Vertretern der Klimabewegung abarbeiten, wie vor wenigen Tagen erst der Ex-TV-Seelsorger Domian an Greta Thunberg?
Fünf Katalysatoren spielen eine Rolle: Unmittelbare Betroffenheit, geringere Komplexität, überschaubare Optionen, definierter Zeithorizont und anschauliche Alternativen.
Fünf Katalysatoren spielen eine Rolle: Unmittelbare Betroffenheit, geringere Komplexität, überschaubare Optionen, definierter Zeithorizont und anschauliche Alternativen.
1. Unmittelbare Betroffenheit
Dinge, die weit weg passieren oder abstrakt bleiben, berühren uns weniger als das, was in unserer Nähe passiert mit Auswirkung auf uns. Unser mediales System kennt dieses Prinzip als einen wichtigen Nachrichtenwert und verstärkt in der Berichterstattung die Sichtbarkeit und Wahrnehmung naher Ereignisse, die uns direkt betreffen.
So ist es auch beim neuen Corona-Virus: Jede Ansteckung wird gezählt und die Statistiken aktualisiert. Man konnte miterleben, wie das Virus immer näherkam. Es geht um das Jetzt und Hier. Und es geht bei den Effekten um Freunde und Eltern, die möglicherweise kein Bett mehr in der Intensiv-Station bekommen, wenn wir sie aus Unachtsamkeit anstecken.
Anders der Klimawandel: Schmelzende Polkappen, hungrige Eisbären – solche Phänomene schienen weit weg. Erst Erlebnisse wie die Hitzerekorde 2019 machten vielen klar: Mag es bisher um eine enkelfreundliche Zukunft gegangen sein, eine Solidarität mit den ferneren Generationen, geht es nun in Wahrheit um eine kinderfreundliche Zukunft. Das Zeitfenster und die Notwendigkeit des Handelns sind uns mindestens eine Generation näher gerückt.
2. Geringere Komplexität
Die Ursache für die Erkrankungen durch Corona ist offensichtlich: Ein einzelnes Virus. Das seinen Ursprung geografisch klar erkennbar hat, und das in seiner Bewegung über die Weltkarte deutlich zu verfolgen ist. Und das Risiko ist auch klar: Je schneller und je weiter COVID-19 sich ausbreitet, desto schwieriger können wir die Folgen in den Griff bekommen.
Beim Klimawandel spielen viele Faktoren eine Rolle. Und wir sind erst dabei, die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zu verstehen. Zum Beispiel wandelt sich möglicherweise der Amazonas-Regenwald von einer CO2-Senke in eine CO2-Quelle. Solche Faktoren entwickeln ihre Wirkung über Jahre und in schwierig durchschaubarer Vernetztheit. Und genauso komplex und vielfältig sind auch die Aspekte, die wir hinterfragen müssen.
Mit der Folge, dass der Einzelne sich sehr einfach machtlos fühlen kann und sich immer argumentieren lässt, dass es andere Bereiche gibt, die scheinbar viel relevanter sind: So mache ja etwa Fliegen ja nur 2,5% des CO2-Ausstoßes aus, und der Anteil von Deutschland global nur knapp 2% gegenüber 27,5% von China. Komplexität lähmt das Handeln und lagert Verantwortung und Initiative in eine diffuse gesellschaftliche Wolke aus.
3. Überschaubare Optionen
In der Komplexität des Klimawandels sind die Handlungsoptionen für den Einzelnen schwer zu überblicken. Es geht um Konsum, um Freizeitverhalten, um Mobilität – um alle Lebensbereiche. Wo anfangen, wo aufhören? Die individuelle Schere zwischen nachhaltigen Werten und realem Handeln ist dabei oft groß. Nicht zuletzt, weil gesellschaftlich wünschenswertes Verhalten wie etwa Abfallvermeidung zunächst mehr Aufwand bedeutet: Wo gibt es Unverpackt-Läden? Wann nehme ich welche Behälter mit?
Zudem fordern viele engagierte Klimaschützer die ‚große Transformation‘: Wir müssten unser Leben komplett und grundlegend ändern. Das mag faktisch richtig für die Gesellschaft sein – führt aber im Einzelfall oft dazu, dass Menschen sich überwältigt fühlen. Oder, genauso kritisch: Klimafreundliches Handeln erreicht sie nur in Form von Verzichtgeboten, Stichwort Suffizienz. Wir sollen mit weniger zufrieden sein. Planetarisch wünschenswertes Handeln fälschlich als zu fürchtendes trojanisches Pferd für weniger Lebensqualität.
Bei SARS CoV 2 zeichnet die offizielle Kommunikation einen klaren Handlungspfad. Jeder einzelne weiß, was er tun kann: Wascht Euch die Hände, achtet generell auf Hygiene, und haltet Abstand zu anderen Menschen. Die Sinnfälligkeit liegt auf der Hand: “Abstand halten – das Virus bremsen“. Flatten the curve. Eine überschaubare Zahl wieder und wieder vermittelter Verhaltensweisen führt, so die Kommunikation und Hoffnung, zu einem Resultat, das einleuchtend wünschenswert ist. Das ist einfach. Und tut zudem potenziell nur kurze Zeit weh. Denn später geht es ja ‚normal‘ weiter.
4. Definierter Zeithorizont
So drastisch die Maßnahmen in den Alltag eingreifen und so eindringlich Merkels Appell: Jeder weiß, dass wir eine Krise erleben, die nach aktuellem Stand wohl zeitlich begrenzt ist. In einigen Wochen oder zumindest Monaten, so die Hoffnung, ist der ganze Spuk um das Corona-Virus vorbei. Augen zu und durch. „Your grandparents were asked to go to war. You are being asked to sit on the couch.“ Wir schaffen das. Das Problem hat ein Verfallsdatum.
Beim Klimawandel sieht das anders aus. Es ist uns bewusst, dass Veränderungen zur Erhaltung eines angenehmen Klimas von Dauer sein müssen. Es reicht nicht, vier Wochen das Auto stehen zu lassen. Wir brauchen neue Mobilitätskonzepte. Wobei gerade jetzt wegen COVID-19 weniger befahrene Straßen, ruhigere Innenstädte und geringere Verschmutzung auf Satellitenbildern zeigen: Handeln hat Wirkung. Es geht aber insgesamt darum, ein neues Gleichgewicht zu finden. Echter Wandel. So etwas mögen wir nicht.
5. Anschauliche Alternativen
Eine besondere Rolle im Kampf gegen das neue Virus spielt eine Grafik, die zeigt, wie sich die Zahl der Betroffenen im Zeitverlauf ändert – einmal mit Gegenmaßnahmen, einmal ohne. Eine horizontale Linie zeigt die Kapazität des Gesundheitssystems. Ohne Gegenmaßnahmen wird diese rasch gesprengt, mit Maßnahmen bleibt die Kurve im Rahmen des Bewältigbaren.
Die Aussage ist einleuchtend: Wenn wir Zeit gewinnen, kommen wir klar. „Flatten the Curve“ lautet die Mission, die vielen plausibel ist, und die entsprechend auch als Hashtag Social Media-kompatibel Karriere macht. Es steht uns klar vor Augen, dass wir eine Wahl haben zwischen einschränkendem Handeln jetzt und einer nahen Zukunft, die ohne Maßnahmen für viele schwierig werden könnte.
Auch der Klimawandel kennt geradezu ikonenhafte Bilder. Sei es Greta Thunberg mit ihrem Schild, Schlittenhunde, die scheinbar über Wasser laufen, ein Satelliten-Bild mit Waldbränden im Amazonas. Und ‚horizontale Linien‘ gibt es einige: etwa Rockströms planetare Grenzen oder das in den 1970ern formulierte Zwei-Grad-Klimaziel, und andere.
Aber: Diese ‚Linien‘ verbinden Folgen nicht mit menschlichem Handeln und bieten so keine handlungsmotivierenden, eingängigen Darstellungen. Das 2016 gegründete Startup right. based on science versucht das mit seiner Klimakennzahl „X-Degree-Compatibility“ (XDC) zu bieten. Diese Zahl drückt aus, wie stark sich die Erde erwärmen würde, wenn alle Unternehmen so wirtschafteten wie das untersuchte. Klimawirkung wird sichtbar.
Lehren für die Klimawandel-Kommunikation
Was lässt sich daraus ableiten für die Klima-Kommunikation? Wissenschaftliche Erkenntnisse liegen in beiden Fällen vor – beim neuen Corona-Virus wie auch beim Klimawandel. Gleichzeitig steigt die unmittelbare Betroffenheit auch beim Klimawandel an.
Bei aller Tragweite und Konsequenzen: Zumindest in den ersten Tagen scheint die Corona-Krise in Deutschland im direkten Vergleich auf der individuellen Ebene durch eine gewisse Handhabbarkeit definiert: Geringere Komplexität, überschaubare Optionen, definierter Zeithorizont und anschaulich gemachte Alternativen. (Das kann sich jedoch ändern.)
Wenn dies auch entscheidende Aspekte für ein bereitwilliges Handeln der Menschen für den Klimaschutz sind, wäre eine daraus abzuleitende These: Wirksame Kommunikation muss den Klimawandel so transportieren, dass er für die Menschen im Alltag ‚handhabbar‘ wird.
Wer Menschen erreichen will, darf nicht rein auf Apokalypse-Kommunikation oder appellierendes Vernunft-Vokabular setzen, die viele ausblenden und die nur einen Teil zum Handeln motiviert. Wir müssen, wenn wir etwas bewirken wollen, immer die Frage beantworten, die jeden Menschen antreibt: „What’s in it for me?“ – Was habe ich davon?
Das bedeutet auch, dass die Kommunikation auf Ebene der einzelnen Bürgerinnen und Bürgern oder auch Mitarbeiter das Engagement und den Kampf gegen den Klimawandel nicht als reines Verzichten auf liebgewonnene Standards transportieren sollte. Was gewinnen wir durch anderes Verhalten? Es geht also darum, positive Effekte ins Jetzt zu holen, um eine positive Betroffenheit zu schaffen. Auch und gerade auf einer kürzeren Zeitachse.
Und es den Menschen dabei möglichst einfach zu machen. Denn wie nicht zuletzt die 2008 durch das Buch „Nudge: Improving Decisions About Health, Wealth, and Happiness“ populär gewordene Nudge Theory gezeigt: Ein bestimmtes Verhalten wird wahrscheinlicher, je bequemer es zu realisieren ist. Auf Augenhöhe platziertes gesundes Obst wird mehr gekauft. Sichtbar aufgestellte Abfalleimer werden eher genutzt.
Gerade Trends wie Entschleunigung, Gesundheit und Achtsamkeit bieten die Chance, Klimaschutz auf persönlicher Ebene als Gewinn an Lebensqualität zu kommunizieren.
Die Trends Entschleunigung und Achtsamkeit bieten die Chance, Klimaschutz als Gewinn an individueller Lebensqualität zu kommunizieren.
Ein Beispiel ist die so genannte „Planetare Ernährung“ (Planetary Health Diet). Diese propagiert einen Speiseplan, der gesünder sei für den Planeten – und den Menschen. Selbst auf Fleisch muss man demnach nicht ganz verzichten. Eine solche Perspektive ist für viele wesentlich attraktiver, als sich beispielsweise komplett vegan zu ernähren. Und bietet das gute Gefühl, auf allen Ebenen richtig zu handeln, im Einklang mit den eigenen Werten.
Ähnlich lässt sich im Tausch gegen Zeit in anderen Bereichen Lebensqualität auf eine Weise gewinnen, die dem Klimaschutz zuträglich ist. Wer beispielsweise samstags erst auf seinem Feld Gemüse erntet, dann beim Foodsharing stoppt und schließlich auf dem Markt alles einkauft, was dann noch fehlt, ist zwar deutlich langer unterwegs. War aber auch schon auf dem Rad im Freien unterwegs, hat im Grünen Abstand vom Alltag gewonnen, sich mit netten Leuten unterhalten, und bekommt sehr günstig frische Lebensmittel in Bio-Qualität.
Oder beim Stichwort Reisen: Wer mit dem Nachtzug nach Lissabon fährt, braucht natürlich wesentlich mehr Zeit als mit dem Flugzeug. Aber er nimmt die entschleunigende, bleibende Erinnerung mit an ein Glas Rotwein im Kerzenlicht seines Schlafwagens, während die nächtliche Landschaft Spaniens vorbei huscht. Ein Erlebnis.
‚Handhabbarer‘ wird die große Aufgabe auch durch ambitionierte Zwischenschritte, die sich aus der übergreifenden positiven Vision ergeben – selbst wenn eigentlich alles auf einmal passieren müsste. So, wie die bemannte Raumfahrt nicht mit der Mondlandung begann, sondern sich über Meilensteine Schritt für Schritt den Weltraum eroberte.
Das individuelle Wirken kann dann wieder in das große Bild rücküberführt werden – ähnlich wie bei der erklärten Corona-Mission „FlattenTheCurve“: Wir könnten Big Data nutzen, um umfassende Daten zu kombinieren und eingängige Darstellungen zu schaffen, die auch beim Klimawandel wirksam vor Augen führen: Wenn wir auf individueller Ebene Maßnahmen ergreifen, können wir die negativen Auswirkungen auf das Klima beschränken. Mehr noch: Wir – und jeder einzelne – können jetzt Lebensqualität gewinnen.
Unter dem Strich: Der Blick auf das Handeln in der Corona-Krise bietet Inspiration für wirkungsvolle Klima-Kommunikation, auch für Unternehmen. Natürlich brauchen wir auch das große Bild, und die Bewegung auf der großen Ebene. Das muss für die Bürger aber richtig übersetzt werden, um als Wandel wirklich wirksam zu sein. Die fünf Katalysatoren Betroffenheit, geringere Komplexität, überschaubare Optionen, definierter Zeithorizont und anschauliche Alternativen sind der Schlüssel. Apokalypse eher No, Lebensqualität Yes.
Oder wie es ein Arzt einmal sagte: „Es geht nicht nur um ‚Weniger vom Schlechten‘, sondern vor allem um ‚Mehr vom Guten’“. Was er auf Ernährung bezog, gilt auch hier.
Daniel Silberhorn hat knapp 15 Jahre Erfahrung in der Beratung nationaler und internationaler Unternehmen. Bei FleishmanHillard ist der Senior-Berater im Corporate Communications-Team unter anderem für den Bereich Sustainability/Nachhaltigkeit zuständig. Außerdem ist der Dozent für Global Communications an der Universität Erfurt und Gastdozent an der Escola Superior de Comunicacao Social in Lissabon.
Hamburg, 23. März 2020 – Die Corona-Krise stellt besonders KMU vor eine enorme Herausforderung. Doch wie sehr beeinträchtigt die aktuelle Situation bereits die Arbeit von Entscheidern in mittelständischen Unternehmen? Eine Blitz-Umfrage1 macht deutlich: Viele erleben eine starke Verunsicherung bei ihren Kunden. Die Nachfrage nach vielen Produkten sinkt um fast 50 Prozent. Wie groß die wirtschaftlichen Einschnitte sein werden, ist ungewiss. Visable hilft seinen Kunden auch in Krisen-Zeiten, Produkte und Dienstleistungen für Einkäufer international zugänglich zu machen und ist als Experte für B2B-Marktplätze und Online-Marketing-Services an ihrer Seite.
Visable hat rund 300 KMU in der DACH-Region nach den Folgen durch Corona gefragt. Auch wenn die Auswirkungen für Industrie und Handel noch unklar sind, zeigen die Umfrageergebnisse deutlich: Die weltweite Krise sorgt bereits jetzt bei mehr als der Hälfte der Befragten zu Umsatzeinbußen. 80 Prozent rechnen mit weiteren, teilweise starken, Verlusten.
Visable – Infografik zum Coronavirus
Sofortmaßnahmen führen zu Kurzarbeit und Einstellungsstopps Auch im Arbeitsalltag macht sich die Krise bemerkbar: 67 Prozent der Befragten gaben an, dass sie im Kundengespräch eine enorme Unsicherheit feststellen. Das sorgt für Stornierungen und Verzögerungen in der Auftragsvergabe. Jedes fünfte Unternehmen (19 Prozent) hat bereits auf Kurzarbeit umgestellt, da Lieferengpässe bei der Beschaffung zu Produktionsstopps führen. Rund 16 Prozent der KMU reagierten bereits mit Einstellungsstopps. Beschaffungsschwierigkeiten stellen bereits fast ein Drittel (28 Prozent) der Befragten fest. Diese spüren die Unternehmen vor allem bei Produkten aus Europa (23 Prozent). Jeder fünfte (21 Prozent) leidet bereits unter Engpässen bei Lieferungen aus China. Bei den USA oder anderen Regionen gibt es momentan noch keine Lieferschwierigkeiten.
Enorme Verluste auch durch Absagen von Messen Durch die Corona-Krise war das erste Quartal dieses Jahres durch Absagen von Messen und Konferenzen weltweit gekennzeichnet. Für viele Unternehmen fielen so wichtige Marketing- und Vertriebskanäle weg. Lösungen können hier digitale B2B-Marktplätze wie EUROPAGES und „Wer liefert was“ (wlw) bieten. „Wir stellen ein Netzwerk zur Verfügung, das die Suche nach Anbietern, Produkten und Gütern für Industrie und Gewerbe stark vereinfacht“, sagt Peter F. Schmid, CEO von Visable. „Dies ist besonders wichtig, da Veranstaltungen für den persönlichen Austausch weltweit weitgehend abgesagt wurden, darunter auch bedeutende Messen und Konferenzen“, erklärt Schmid. Hier könne Visable einen Beitrag leisten, um die aufkommenden Lücken zu schließen. Denn Visable biete verschiedene Möglichkeiten, um die Sichtbarkeit und die Vernetzung der Unternehmen über Online-Maßnahmen zu fördern.
Hohe Nachfrage nach Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken Die Corona-Krise spiegelt sich auch im Suchverhalten der Einkäufer auf der Plattform wlw, die zur Visable-Gruppe gehört, wider. Gehören sonst die Suchbegriffe „Maschinenbau“ und „CNC Fräsmaschinen“ zu den meistgesuchten Begriffen, wurden mit dem Bekanntwerden mehrerer Corona-Fälle in Deutschland Mitte Februar erstmals Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken besonders start nachgefragt – diese Produkte überstiegen im Verlauf der Krise sogar die Anfragen der sonst gängigen Topsuchen. „Wir verzeichnen seit einigen Tagen generell einen signifikanten Anstieg der Suchanfragen auf unseren Plattformen ‚Wer liefert was‘ und EUROPAGES. Viele Unternehmen müssen sich momentan nach neuen oder zusätzlichen Lieferanten umsehen. Visable unterstützt seine Kunden auch in diesen Zeiten mit digitalen Lösungen für Marketing und Vertrieb“, erklärt Peter F. Schmid, CEO von Visable. „Die genauen Folgen der Corona-Krise können auch wir nicht absehen. Doch klar ist bereits jetzt: Digitale Lösungen für industriell tätige Unternehmen waren noch nie so wichtig, wie heute.“
*Die Online-Befragung wurde vom 9. bis 18. März 2020 durchgeführt. Rund 300 führende Mitarbeiter aus mittelständischen Unternehmen der DACH-Region wurden befragt.
Über Visable Visable unterstützt den industriellen Mittelstand, Produkte und Dienstleistungen für Einkäufer international zugänglich zu machen. Als speziell auf Geschäftskunden zugeschnittene Verbindung aus eigenen B2B-Marktplätzen und Online-Marketing-Services wie zum Beispiel Google Ads und Retargeting bietet das Unternehmen ein breit gefächertes digitales Portfolio zur Reichweiten-Steigerung im Internet. Zu den von der Visable GmbH betriebenen Marktplätzen gehören „Wer liefert was“ (wlw), heute der führende B2B-Marktplatz in der D-ACH-Region, sowie die europäische B2B-Plattform EUROPAGES. Zusammen erreichen die Marktplätze monatlich über 3,7 Millionen B2BEinkäufer, die nach detaillierten Unternehmens- und Produktinformationen suchen. Insgesamt sind über 3,6 Millionen Firmen auf beiden Plattformen registriert. Mit seinen Online-Marketing-Services bietet Visable Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten, ihre Reichweite im Internet zu erhöhen. Visable ist derzeit einziger Google Premium-Partner mit B2B-Schwerpunkt. Das Unternehmen Visable entstand als Antwort auf die Herausforderungen der Internationalisierung und Digitalisierung im B2BBereich. Visable unterhält Büros an den Standorten Hamburg, Berlin sowie Paris und beschäftigt heute über 380 Mitarbeiter. Als gemeinsames Dach für die Marken „Wer liefert was“ und EUROPAGES baut Visable seine Marktplätze und Online-Marketing-Services kontinuierlich aus. Weitere Artikel, Informationen, Pressemitteilungen und Downloads finden Sie unter www.visable.com/presse
Autorinnenbeitrag von Alexandra Groß – veröffentlicht am 20.03.2020 im PR Journal
Informationen, die von Unternehmen kommen, besitzen eine höhere Glaubwürdigkeit als Nachrichten aus traditionellen Medien. Das ist eines der Ergebnisse der jüngsten Sonder-Ausgabe des Edelman Trust Barometers. Auch wenn sich in der aktuellen Untersuchung die Ergebnisse primär auf die Corona–Krise beziehen, erhält dieses Ergebnis Unterstützung von wissenschaftlicher Seite.
„Leser von Nachrichten im Internet haben PR-Texte im Internet als glaubwürdiger bewertet als Texte von Journalisten zum gleichen Thema“. So äußerte sich Professorin Romy Fröhlich im Rahmen einer Podiumsdiskussion, die die Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) anlässlich ihrer letzten Jahrestagung an der Ludwig-Maximilians-Universität München durchgeführt hat. Hintergrund ist eine Befragungsstudie, die unlängst am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung abgeschlossen wurde. Darin zeigt sich, dass Nutzer im Internet nur noch rudimentär zwischen journalistischen Inhalten und PR-Inhalten mit hohem journalistischen Simulationsgrad unterscheiden. Die PR-Texte – in der Studie wurden reale Inhalte getestet – wurden sogar als glaubwürdiger und interessanter bewertet als die journalistischen Texte zum gleichen Thema. Wow!
Die Diskussion hat schnell ergeben, dass Unternehmen und Organisationen schon sehr lange hohe Qualitätsmaßstäbe an ihre kommunizierten Inhalte ansetzen. Mitarbeiter und Nachwuchskräfte schauen inzwischen genauer hin, für welche Organisation sie heute arbeiten – und wie die Haltung der Arbeitgeber zu seriöser Kommunikation mit den wichtigen Bezugsgruppen ist. Ein Großteil der PR-Agenturen liefert dazu schon sehr lange ihren Beitrag. Nicht erst seitdem viele Nachbardisziplinen auch gemerkt haben, dass „Content King ist“. Gemeinsam mit ihren Kunden haben PR-Agenturen die Qualität der Information kontinuierlich verbessert.
Das liegt wohl auch unter anderem daran, dass in vielen PR-Agenturen inzwischen zahlreiche Journalisten arbeiten, die ihr Handwerk – neutrale und verständliche Informationsvermittlung – von der Pieke auf gelernt haben. In PR-Agenturen arbeiten sie allerdings weniger für die schnelle Schlagzeile, vielmehr stehen substanzielle Geschichten im Vordergrund. Natürlich machen auch Unternehmen und Organisationen Jagd auf Klicks, aber dabei geht es selten um die schiere Masse, sondern um Qualität und am Ende um den nächsten Kunden.
Ich spüre täglich, wie in dieser angespannten Situation, in der sich der Fokus der Inhalte massiv verschiebt, der Informationsfluss in LinkedIn abnimmt. Gut so. Mit Resonanz braucht man in Zeiten, in denen sich die Relevanzmaßstäbe von Inhalten verschieben, eh nicht zu rechnen. Der Aufruf von Professor Thomas Pleil von der Darmstadt University of Applied Sciences über Twitter, die Werbeaktivitäten doch mal zu überdenken, kommt da gerade recht.
Gleichzeitig kann man sich nur über die Schlagzeilen einiger Medien wundern, die die Öffentlichkeit mit Corona-Live-Tickern und immer wieder neuen und vermeintlich atemraubenden Schlagzeilen überziehen. Wie eine Droge sollen Leser im Web dazu verführt werden, jede einzelne Schlagzeile zu konsumieren. Dies, obwohl große, nationale wie internationale Medien festgestellt haben, dass eine Reduktion der Nachrichten im Web am Ende für mehr Leser sorgt.
Wen wundert es da noch, dass bei solchem journalistischem Brachialvorgehen die Glaubwürdigkeit auf der Strecke bleibt und man sich an PR-Texten orientiert. Dass PR die bessere Werbung ist, daran zweifelt inzwischen ja niemand mehr, aber dass PR zum besseren Journalismus mutiert, wäre eine bedenkliche Entwicklung. Dazu ist die Aufgabe der unabhängigen Medien als Korrektiv in einer demokratischen Gesellschaft viel zu wichtig. Was PR und Journalismus aber gemeinsam haben, ist die gestiegene Verantwortung bei der Informationsverbreitung. Mir wäre es am liebsten, wenn wir künftig gemeinsam den Qualitätsanspruch an gute Information noch weiter nach oben drehen.
Über die Autorin: Alexandras Groß ist seit 2019 Vorstandsvorsitzende der Fink & Fuchs AG. In ihrer Rolle ist sie verantwortlich für die übergeordnete Gesamtleitung und die strategische Weiterentwicklung der Kommunikationsagentur. Seit Mai 2017 ist sie zudem stellvertretende Präsidentin der GPRA – Gesellschaft der führenden PR- und Kommunikationsagenturen in Deutschland.
Ein Gastkommentar von GPRA-Chairman Uwe Kohrs erschienen im Management-Blog der WiWo am 11. März 2020.
Wieso bloß machen die Experten uns alle so irre, bis wir zwischen Apokalypse und Durchhalteparolen zerrieben sind, fragt sich Uwe Kohrs, Grandsigneur der Kommunikation und Chairman des Verbands GPRA
Deutschland ist im Krisenmodus. Das Coronavirus schleicht sich schrittweise in das Leben der Bundesbürger ein und wirkt sich immer stärker aus. Warum? Immer mehr Experten und Politiker drängen in die Öffentlichkeit, wollen nur das Beste und produzieren eine bedenkliche Tendenz zur Hysterie in weiten Teilen der Bevölkerung. Leergeräumte Läden, selbst verordnete Quarantäne, überlastete Telefon-Hotlines, Stornierungen und Absagen von Messen und Events, abstürzende Aktienkurse – das alles sind die Reaktionen auf die Appelle zum vernünftigen Umgang mit dem neuartigen Coronavirus, das ja eigentlich so etwas ähnliches wie die Grippe sein soll.
Medizinische Koryphäen als Kommunikationszwerge
Das Krisenmanagement geht gründlich schief. Die Kommunikation an der Schnittstelle zwischen dem wissenschaftlichem Kontext Substanz und der Laienkommunikation versagt. Da mutieren Wissenschafts- und Medizinriesen im öffentlichen Diskurs schnell zu Kommunikationszwergen, die mehr Unsicherheit und Angst produzieren als Wissen und Vertrauen zu schaffen. Was sie eigentlich sollten.
Oft stehen PR-Verantwortlichen in Instituten und Kliniken die Haare zu Berge, wenn sich ihre Granden anschicken, höchstpersönlich der Öffentlichkeit Wissenschaft zu erklären. Diese Experten jedoch empfinden kleinliche Verständnisbedenken häufig als Majestätsbeleidigung. Sie sind von ihrer eigenen gottgegebenen Unfehlbarkeit überzeugt.
„Bleiben Sie gesund“
Die Spirale setzt ein: Mit jedem Medienauftritt steigt die Reputation – und der Eitelkeit tut’s ja auch gut. Also rein in die Talkshows und vor die Fernsehkameras der Nation. Denn in jeder Krise steigt die Nachfrage nach Expertenrat kurzfristig extrem. Die Statements changieren dann zwischen Apokalypse, Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Durchhalteparolen. Aber die Zuschauer als Laien sind primär emotional bewegt, angesichts einer vermeintlich internationalen Bedrohungslage die ihnen via TV, Tablet oder Mobiltelefon immer näherkommt. Nebenbei bemerkt: Fallen Ihnen auch auf, wie viele Leute plötzlich Grußworte in Branchennewslettern oder Posts nach Pfarrer-von-der-Kanzel-Manier mit verbalen Schulterklopfern beschließen? Die aber eigentlich mit dem Thema Corona so gar nichts zu tun haben im Job? Am allerbesten kommt der sinnloseste Gruß von allen: „Bleiben Sie gesund.“
Verwirrung pur – von denen, die eigentlich erklären und informieren sollen
Hier Ratio – dort Emotion, das kann kommunikativ nicht funktionieren und bewirkt das Gegenteil von Beruhigung. All die Wissenschaftsexperten wollen sicher das Beste, verschärfen aber in Wirklichkeit nur die Probleme durch ihre Schwierigkeiten, mit Laien zu kommunizieren: sich verstehbar auszudrücken, zu relativieren wo nötig und vor allem einzuordnen. Manche liefern stattdessen Verwirrung pur: Bestes Beispiel in diesen Tagen im TV: Da sagt ein Experte, dass die Coronavirus-Epidemie schlimmer wird, als wir uns das vorstellen können. Und dann direkt im nächsten Satz, dass es keinen Grund zur Panik gibt. Wissenschaftskommunikation wie man sie sich wünscht, ein einziges Dilemma.
Derart widersprüchliche Aussagen und Aktionen werden mit Fortschreiten der Krise immer häufiger und befeuern erst die Ausbreitung von Panik. Zumal die Politiker massiv an der Dissonanz von Botschaften und Maßnahmen mitwirken, wenn sie etwa mal so eben raten, gleich ganz Nordrhein Westfalen von Detmold bis Aachen zu meiden – und nicht nur jene kleine Stadt namens Heinsberg, wo es die meisten Infizierten gibt.
Manche Experten gehören nicht vor Kameras
Einerseits reden Experten von einem relativ harmlosen Coronavirus – und andererseits von Quarantäne für Millionenstädte. Wer käme da nicht auf den Gedanken, dass offizielle Seiten da nicht die Wahrheit sagen? Um die Krise einzudämmen, sollten all die Krisenstäbe in der Republik Kommunikationsprofis an den Tisch holen und diesen auch zuzuhören. Um dann zielführend mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Redaktionen sollten zuerst einmal sicherstellen, dass nur Experten in den Medien auftreten, die vermitteln können und sich der Wirkung ihrer Botschaften auch bewusst sind.
Nur Tacheles reden erweckt Vertrauen
Dabei geht es nicht um Schönreden oder Verharmlosen, sondern um klare Kante, die dem Bedürfnis nach Vertrauen der Bevölkerung Rechnung trägt. Dass Krisen, ihre Verläufe und ihre Bewältigung extrem viel mit Psychologie und Emotionen zu tun haben, sollte doch eigentlich bekannt sein.
Arbeitergeber-Kommunikation hat Vertrauens-Vorschuss: Dem eigenen Arbeitgeber vertrauen die Menschen auf der Suche nach verlässlichen Informationen zu COVID-19 mehr als Regierung und Medien
Viele Quellen, wenig Vertrauen: Global sorgen sich 74 Prozent der Menschen um Fake-News und die Glaubwürdigkeit der Informationen rund um COVID-19
Partnerschaften: Menschen erwarten, dass Regierung und Wirtschaft zusammenarbeiten
Frankfurt, 17. März 2020 – Auf der Suche nach glaubwürdigen Informationen ist der eigene Arbeitgeber auch zu Zeiten von COVID-19 die vertrauenswürdigste Quelle. Dies zeigt der globale Edelman Trust Barometer 2020 Special Report: Trust und der Coronavirus. Vom 6. bis zum 10. März wurde die Zehn-Länder-Studie in Brasilien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Südafrika, Südkorea, Großbritannien und den USA durchgeführt. Wie es in Zeiten des Coronavirus um das Vertrauen der Menschen aussieht, zeigen die wichtigsten globalen Ergebnisse der Studie:
Kommunikation des eigenen Arbeitgebers ist am glaubwürdigsten: 63 Prozent der aktuell Befragten geben an, dass sie Informationen von ihrem Arbeitgeber rund um das Coronavirus nach ein- oder zweimaliger Kommunikation vertrauen. Zum Vergleich: Das sagen nur 58 Prozent über die Informationen einer Regierungswebsite und 51 Prozent über die der traditionellen Medien. Mehr als ein Drittel der Befragten gab an, dass sie sozialen Medien niemals glauben würden, wenn sie ausschließlich hier Informationen zu dem Thema finden konnten (35 Prozent).
Etablierte Nachrichtenangebote sind die meist genutzte Informationsquelle: Die Hauptnachrichtenkanäle werden fast doppelt so stark genutzt, wie die Online-Seiten der globalen Gesundheitsorganisationen (z.B. WHO) oder nationaler Gesundheitsorganisationen (z.B. CDC). Ingesamt geben 74 Prozent an, dass sie sich um die Verbreitung gefälschter Nachrichten und Falsch-Informationen über das Virus sorgen.
Wissenschaftler und Mediziner sind die vertrauenswürdigsten Stimmen: 68 bis 83 Prozent der Befragten geben an, dass sie Wissenschaftler und Medizinern am meisten vertrauen. Einer Stimme “wie du und ich” vertrauen 63 Prozent der Befragten. Regierungsbeamte (48 Prozent) und Journalisten (43 Prozent) stehen dagegen mit weniger als 50 Prozent Vertrauen am unteren Ende der Rangliste. 85 Prozent der Befragten gaben an, dass sie mehr Informationen von Wissenschaftlern und weniger von Politikern hören wollen. 58 Prozent der Befragten befürchten sogar, dass die Krise für politische Zwecke aufgebauscht wird. Der CEO des eigenen Arbeitgebers liegt mit 54 Prozent in der Mitte der Rangliste.
Menschen fordern regelmäßigen Informationsfluss: Sieben von zehn Befragten verfolgen die Nachrichtenlage über den Coronavirus in den Medien mindestens einmal am Tag. 33 Prozent gaben an, dass sie mehrmals am Tag nach Informationen suchen. Von den Arbeitgebern wird erwartet, dass sie die Informationen über COVID-19 regelmäßig aktualisieren. Dabei fordern 63 Prozent mindestens tägliche Aktualisierungen.
Der eigene Arbeitgeber ist besser auf COVID-19 vorbereitet als das Land an sich: In acht von zehn untersuchten Ländern wird der eigene Arbeitgeber als besser auf das Virus vorbereitet angesehen, als das Land an sich. 62 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Arbeitgeber effektiv und verantwortungsbewusst auf das Virus reagiert.
Regierung und Unternehmen müssen zusammenarbeiten: Weder den Unternehmen noch der Regierung wird es zugetraut, der Lage im Alleingang Herr zu werden. Das Vertrauen der Menschen verdoppelt sich, wenn Unternehmen und Regierung gemeinsam Anstrengungen bei der Bekämpfung des Virus unternehmen. (45 Prozent gegenüber 20 Prozent).
Hohe Erwartungen an Handlungsfähigkeit der Wirtschaft: 78 Prozent der Befragten erwarten, dass die Wirtschaft zum Schutz der Mitarbeiter und der örtlichen Gemeinschaft handelt. 79 Prozent sehen Arbeitgeber in der Pflicht, dass sie ihre Abläufe anpassen, Reglungen für die Arbeit außerhalb der Büroräume schaffen, nicht relevante Veranstaltungen absagen und Geschäftsreisen untersagen. Hinzukommt, dass 73 Prozent erwarten, dass die Personalpolitik anpasst und so u.a. bezahlter Krankenstand gewährt wird und gefährdete Mitarbeiter daran gehindert werden, zur Arbeit zu kommen.
Arbeitgeber müssen Informationen weitergeben: Die Mitarbeiter wollen Klarheit darüber, wie viele Kollegen sich mit dem Virus infiziert haben (57 Prozent) und sich dieser auf die Arbeitsfähigkeit des Unternehmens auswirkt (53 Prozent). Die Mitarbeiter wollen über die darüberhinausgehende Auswirkungen auf das Unternehmen ebenfalls informiert werden – einschließlich Ratschlägen für Reisen und was getan werden kann, um die Verbreitung des Virus zu stoppen. Die Informationen möchten sie per E-Mail oder Newsletter (48 Prozent), durch Veröffentlichungen auf der Website des Unternehmens (33 Prozent) und durch Telefon-/Videokonferenzen (23 Prozent) erhalten.
„Für Unternehmen ist diese Form der Verantwortung neu und von großer Bedeutung. Arbeitgeber müssen ihren Vertrauensvorschuss vor allem jetzt nutzen und mit zielgerichteter Kommunikation auf möglichst viele Unsicherheiten Antworten geben. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Bevölkerung vor allem in Krisensituationen keine Alleingänge erwartet, sondern die Institutionen partnerschaftlich zusammenarbeiten müssen, um agile Lösungen auf den Weg zu bringen und das Vertrauen zu steigern“, so Christiane Schulz, CEO von Edelman Deutschland. „Es ist dringend notwendig, dass Unternehmen faktenbasierte Entscheidungen ermöglichen und ihren Mitarbeitern das Gefühl geben, Teil einer breiten gesellschaftlichen Bewegung zur Bekämpfung des Virus zu sein.“
Über die Studie: Der Edelman Trust Barometer 2020 Special Report „Trust und der Coronavirus“ wurde vom 6. bis zum 10. März in den zehn Ländern Brasilien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Südafrika, Südkorea, Großbritannien und den USA durchgeführt. Insgesamt wurden 10.000 Menschen (1.000 pro Markt) befragt. Alle Daten sind auf nationaler Ebene repräsentativ, basierend auf Alter, Region und Geschlecht. Der Special Report ist eine Sonderausgabe des Edelman Trust Barometers. Das Edelman Trust Barometer ist eine jährliche Studie zu Vertrauen in Regierungen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Wirtschaft und Medien, die in diesem Jahr zum 20. Mal von der Marktforschungsfirma Edelman Intelligence durchgeführt wurde. Weitere Informationen unter www.edelman.de/research/2020-edelman-trust-barometer
Über Edelman Deutschland Edelman ist eine globale Kommunikationsagentur, die Unternehmen und Organisationen dabei unterstützt, ihre Marken und deren Reputation zu entwickeln, zu fördern und zu schützen. In Deutschland liefern rund 300 Experten mit Büros in Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt am Main Kommunikationsstrategien, die es unseren Kunden ermöglichen, zu führen, mit Überzeugung zu handeln und das nachhaltige Vertrauen ihrer Zielgruppen und Stakeholder zu gewinnen. Weitere Informationen unter www.edelman.de
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